Leserartikel-Blog

Die Walther Collection - Ein Museum erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Die Walther Collection

„Ein Schatz in der Provinz“, so neulich eine Schlagzeile in der SWP.
Kennen Sie die Walther Collection?
Dann gehören Sie wohl zu Kunst-Begeisterten, die schon das Vergnügen hatten, eine kostenlose Führung genießen zu dürfen. Vielleicht haben Sie aber nur Kenntnis durch die Medien davon und interessieren sich für einen Museumsbesuch.
Sie sollten sich anmelden und 1 1/2 Stunden für einen Museumsbesuch einplanen.
Das neue Museum bietet seit Juni 2010 sein erstes Ausstellungs- und Publikationsprogramm an:
„Momente des Selbst: Porträtfotografie und soziale Identität“ mit Werken aus der afrikanischen Sammlung der Walther Collection.
Okwui Enwezor kuratierte die Ausstellung, die nun Arbeiten afrikanischer Künstler aus drei Generationen zeigt. Diese präsentiert er in einen Dialog mit Werken moderner und zeitgenössischer deutscher Fotografen. Okwui Enwezor war z.B. im Jahre 2002 künstlerischer Leiter der Documenta 11 in Kassel.

Die Walther Collection ist eine private Kunstsammlung, die sich den Schwerpunkt moderne und zeitgenössische Fotografie macht. Arbeiten deutscher Fotografen aus den guten alten Zwanzigern bildeten den Grundstein. Im Jahre 2010 steht die Sammlung für eine langfristige und intensive Auseinandersetzung mit Fotografen und Künstlern, die historische Zuordnungen wie auch geografische Grenzen überschreiten. Trotz unterschiedlichster künstlerischer Standpunkte erscheinen sie vereint.
Der Sammler Artur Walther möchte den Betrachtern ein neues Afrika zeigen, weitab vom „Afrika-Pessimismus“.
Meldungen in den Medien beschäftigen sich mit Hunger, Armut, Unruhen und Kriegen. In diesem Land gibt es aber noch mehr z. B. pure Lebensfreude, Freundschaften und sehenswerte Landschaften. Die Fotos, die an den Wänden hängen, sollen nichts schön färben und von den Problemen in diesem Land ablenken, sie sprechen ihre ganz eigene Sprache.
Die Besucher sehen anhand der Fotografien eine andere Welt von Afrika.
Mit umfangreichen Werkkomplexen sind viele Künstler in der Sammlung, der Ausstellung vertreten, so soll die Einzelarbeit in einem konstruktiven Diskurs zum künstlerischen Ausdruck des Gesamtwerks ermöglicht werden.
Ganz in der Nähe von Ulm, auf der bayerischen Seite liegt Burlafingen. Dieser Ort gehört zu Neu-Ulm, ca. 4400 Einwohner leben dort, viele Pendler, die in Ulm arbeiten.
Ein Ort in dem noch Brauchtum gepflegt wird und viele Vereine aktiv sind.
Keiner der Einwohner hätte je gedacht, dass in einem „normalen“ Wohnviertel am westlichen Ortsrand, zwischen typischen Einfamilienhäusern, dort wo noch fleißig am Wochenende Kehrwoche betrieben wird und man einen Schwatz mit der Nachbarin bzw. Nachbarn auf der Straße führt, dass ausgerechnet dort - solch ein Museum entstehen würde, das internationales Publikum anlocken könnte.
Artur Walther machte all dies möglich.
Ein Sammler, der in Burlafingen aufgewachsen ist und eine interessante Biografie vorweist.
Artur Walther stammt, wie viele andere auch, aus einer Nachkriegsfamilie, die in diesem Viertel lebte, genau an jener Stelle, wo nun der Museumskomplex entstand.
1948 kam Artur Walther auf die Welt, ging in Burlafingen zur Schule und studierte nach dem Abitur zunächst in Regensburg. Danach ging er in die USA, besuchte die renommierte Harvard Business School. Später arbeitete er als Investmentbanker an der New Yorker Wall Street und wurde dank seines Könnens reich. Laut Medienberichte stieg er im Jahr 1984 in der Position eines Seniorpartners der Investmentbank Goldman Sachs aus.
Damals entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie. Mit seiner Kamera experimentiere er und erwarb nebenbei Foto-Kunst. Über die Jahre hinweg wurde seine Sammlung immer größer, so dachte er darüber nach, seine Fotografien in einem Museum unterzubringen. In jener Zeit starb seine Mutter, die bis zu ihrem Tod in seinem Heimatort lebte. Er fühlte sich stets wohl, wenn er seine Familie besuchte, sodass er nach dem Tod seiner Mutter auf die Idee kam, auf dem geerbten Grundstück das Museum zu erbauen. Er zögerte nicht lange und ließ sein Elternhaus abreißen. Nur der benachbarte Bungalow, in dem seine Mutter bis zuletzt lebte, blieb stehen. Eine zeitlang klaffte ein sehr großes Loch und Burlafinger, die durch diese Straße fuhren oder spazierten, spekulierten, was dort wohl gebaut werden würde.
Ein weißer „Betonklotz“(Kubus) mit riesengroßen Glasfronten, ganz schlicht gehalten, entstand. Für Menschen, die sich für Architektur interessieren – ein Gebäude, dass in das Wohnviertel harmonisch integriert wurde. Für alle anderen vermutlich nur ein „Betonklotz“.
Das Grundstück wurde zuvor voll unterkellert, so dass nun der Ausstellungsraum mit seinen 1500 Quadratmetern unter der Erde liegt. Artur Walther wollte den Nachbarn kein riesiges Objekt vor die Nase bauen. Im oberen Bereich der „Wihte Box“ befindet sich eine monographische Ausstellung des Londoner Fotografen Rotimi Fani-Kayode. Werke von insgesamt 25 Künstlern befinden sich im Untergeschoss, so z.B. auch von Guy Tillim oder David Goldblatt.
Zu dem Museumskomplex gehört nun auch der schwarze Bungalow, in dem auch Herr Walther wohnt, wenn er vor Ort ist. Er lebt dann inmitten seiner Kunstwerke. Seine Privaträume wurden nicht einmal durch einen Vorhang getrennt, sodass besonders neugierige Besucher wohl das ein oder andere Auge riskieren und besonders genau die Kunstwerke betrachten…
Die perfekt inszenierte Videoinstallation von Candice Breitz wartet ebenfalls auf interessierte Besucher.
Ein mit Efeu bewachsenes Haus, das so genannte grüne Haus kaufte Walther hinzu, als es auf dem Nachbarsgrundstück zum Verkauf anstand. Er ließ es bewachsen. Im Erdgeschoss warten afrikanische Portraits auf die Besucher und im ersten Stockwerk eine Sammlung „typischer“ Deutscher aus den 60ern. Im grünen Haus wurden auf zwei Etagen die Gegensätze der Bilder verdeutlicht. Eine Gegenüberstellung von Bildern Seydou Keïtas mit Fotografien von August Sander wirkt durch eine räumliche Trennung.
In einem weiteren Gebäude, ein älteres Wohnhaus, ist u.a. das Büro untergebracht.
Ein Schatz in der Provinz, so empfinde ich auch die verwirklichte Idee von Herrn Walther. Dankeschön!
Mit freundlichem Gruß
Corina Wagner

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